Am 20. März 1879 verkaufte die Witwe des großherzoglich badischen Kammerherrn Gallus Freiherr von Glaubitz, Maria Freiherr von Glaubitz geborene Fürst einige ihrer Besitztümer zwischen der Stephanien- und Bismarckstraße in einer Größe von 3,168 m² an den Zimmermeister Georg Kuentzle in Karlsruhe zu 45 000,- Mark. Das verkaufte Areal wurde östlich durch das gemeinsame Eigentum Freifrau von Glaubitz/Dr. August Clemm (Bismarckstraße 55) und westlich durch das Grundeigentum des Handwerksbesitzers A. Benkiser, südlich vom Besitztum Maria Freifrau von Glaubitz und nördlich von der Bismarckstraße begrenzt. Bereits 2 Jahre später gelangten Teile des veräußerten Anwesens an weitere Interessenten, darunter das heutige Grundstück Bismarckstraße 63 an den Rentner Emil Gerber in Durlach, während das Grundstück Bismarckstraße 61 (einschließlich 61a) bereits dem Hauptmann a. D. Wilhelm Holz gehörte.
Herr Holtz verkaufte an 18. August 1886 sein Eigentum an den fürstlich fürstenbergischen Hofbaumeister Adalbert Kerler aus Donaueschingen, der die Parzelle Bismarckstraße 61 a von Fräulein Maria Baudenthal, einer Schwägerin des A. Kerler, aus Köln erworben hatte. Aus diesem Kaufvertrag geht weiter hervor, daß das Grundstück Bismarckstraße 59 inzwischen an den Major Otto von Türkheim abgegeben worden war, während das westliche Anwesen im Eigentum der Familie Gerber geblieben ist. Ein Sohn Gerber, ein älterer sehr würdiger weißhaariger Junggeselle, ist den älteren Bundesbrüdern, die das Bundeshaus vor dem 2. Weltkrieg belebten, wegen der gelegentlichen Friktionen, die mit einem Korporationshause verbunden sein können und den anschließenden Gutwetterbittgesuchen in Erinnerung geblieben. Der Hofbaumeister Adalbert Keller baute für sich und seine Schwägerin das heute noch erhaltenen Doppelhaus als repräsentatives Wohnhaus. Beide Grundstücke waren zusammen 1351 m² groß und kostete 40 000 Mark. Durch Teilung erhielt Fräulein Baudenthal 684 m², während das PV-Grundstück (damals Kerler) 667 m² maß.
In Anlehnung an die von Oberbaurat Prof. Josef Durm, dem bedeutenden Lehrer an der damaligen Technischen Hochschule, vertretene Architekturschule der Italienischen Renaissance entstand der viergeschossige reich gegliederte Baukörper mit 2 Eingängen, einem Mezzanin, einer Belétage, mit Erkern und Balkonen und zwei niederen Wohngeschossen unter einem zum Garten hin fallenden Flachdach mit einem straßenseitigen Türmchen mit Fahnenstange. Beiden Gebäudeteilen waren je ein monumentales Treppenhaus eingefügt, während das im Hause Bismarkstraße 61 in weißem Marmor mit einer zweiläufigen Trepppe gestaltet war, erhielt das Kaus Kerler eine dreiläufige Treppe aus Veroneser Rot-Marmor und verschiedenfarbigen Wandverkleidungen, sowie die vier monumentalen Wandgemälde von Edmund Kanoldt, die den Treppenraum optisch erweitern sollten.
Das weitere Schicksal dieses Hauses war sehr bewegt. Am 22. Oktober 1908 verkaufte die Witwe Tekla Kerler, geborene Baudenthal, von Hamburg aus das Haus Bismarckstraße 61 a an die Maschinenbaugesellschaft Karlsruhe AG, dessen Direktor Döderlein sie als Dienstwohnung erhalten sollte.
Bereits 1920 gelang es den Mitgliedern des PV, etwa 50 000 Mark durch Zeichnung von Hausanteilscheinen und Spenden aufzubringen, um das Wohnhaus in der Gartenstraße 44 zu erwerben. Wegen der Wohnungszwangswirtschaft konnte es jedoch nicht für die Zwecke einer Korporation freigegeben werden. Jedenfalls war das Geld über die Inflation hinaus gerettet und 1924 erneut der Gedanke aufgegriffen, eigene Räume für den Bund zu schaffen! Ein Wettbewerb wurde unter den Architekten-Bundesbrüdern ausgeschrieben, als Grundstück war ein Gelände im Fasanengarten vorgesehen. Den erste Preis mit 350 Mark erhielt der damalige Regierungsbaumeister und spätere Prof. Dr.-Ing- Alfred Fischer (1889 - 1969), der zweite Preis ging an Baurat Franz Schmider, den Dritten Preis erhielt Dipl.-Ing. Siegfried Weile. Für eine weitere Finanzierung wurden Hausanteilsschiene im Einzelwert von 50 Mark ausgegeben.
Aus diesem Vorhaben wurde jedoch nichts! Am 17. September 1926 erwarb der Polytechnische Verein das Haus Bismarckstraße 61a im Tauschwege mit dem Anwesen in der Gartenstraße 44 von der Maschinenbaugesellschaft Karlsruhe AG und und zahlte über den Wert des Hauses in der Gartenstaße in Höhe von 40 000 Mark weitere 20 000 Mark. Als neuer Eigentümer wurde im Grundbuch vermerkt: „Verband der Alten Herren des Polytechnischen Vereins Karlsruhe e. V., vertreten durch die Herren Hugo Weber, Ernst Brurein und Julius Stirn.". Damit setzt sich nun die Geschichte des Poytechnischen Vereins Karlsruhe im eigenen Haus fort.
Das Gebäude dürfte damals vom PV in einem Zustand übernommen worden sein, der im wesentlichen noch den Stil seines Erbauers, des Architekten Kerler, zeigte. Unverändert waren die Eingangshalle mit einer gewölbten, farbig behandelten Kasettendecke, das Haupttreppenhaus, die beiden großen Räume im ersten Obergeschoß, die Kellerküche, Straßen- und Gartenfront. Besonderen Eindruck machte immer das Haupttreppenhaus! Bis zu den schweren Zerstörungen im 2. Weltkrieg war es in der Höhe des ersten Obergeschosses durch ein großes Glasoberlicht abgeschlossen und erhielt eine nicht gerade sehr große natürliche Helligkeit durch einen bis in die Dachfläche reichenden Lichtschacht. Dieser erhellte auch die Innenräume des dritten und vierten Geschosses. Eine Künstliche Beleuchtung bestand aus Wandarmen zwischen den beiden mittleren Kanoldt-Bildern. Die schweren Marmorarchitekturen der Treppe ruhen auf Stahlträgern im Keller über der Heizung!.
Der hintere Teil des heutigen großen Saales im ersten Obergeschoß war ursprünglich durch den noch heute vorhandenen Lastenaufzugsschacht aus der Kellerküche und durch eine mächtige Heizkörperverkleidung mit einem kleinen Nebenraum, der als Tresor diente, von dem vorderen Festsaal getrennt. Dunkle Ledertapeten mit Goldprägungen und eine düstere Hozbalken-Kasettendecke mit bemalten Feldern gaben dem Raum ein sehr würdigendes Gepräge (Es war wohl das Herrenzimmer des Bauherrn). Aus diesem Raum führte eine in die Paneele eingefügte Tür in das Nachbarhaus. Sie soll noch zu Zeiten, als die Gesellschaft Jesu Nachbarn des PV gewesen sind, benutzt worden sein, zeugte doch gegen Ende der 20er Jahre ein Vortrag des Paters Martin SJ im PV über 25 Jahre in Indien von guter Nachbarschaft.
Der straßenseitige Saal war im Stil des deuxième rococo mit gegliederten Wandfeldern über einem hohen Sockel und einer bemalten Decke, alles in hellen Tönen mit Gold abgesetzt, Wandflächen mit rötlichen Damasttapeten, gestaltet. Ein Kristalleuchter, entsprechende Wandarme, der Parkettboden, zu Wolken geraffte Vorhänge und die Verkleidung eines großen Heizkörpers durch farbig helle Fließen zu einer Art Kachelofen ergänzten das festliche Aussehen.
Das Erdgeschoß mir zwei Räumen vemietete der PV sofort weiter, im dritten Obergeschoß wurden drei Räume einem Hausmeisterpaar überlassen, die auch für das Mittagessen der Bundesbrüder während der Wochentage aus der Kellerküche sorgten. Im Hause konnten damals Wohnen: im 2. Obergeschoß in zwei Einzelzimmern und einem Doppelzimmer (Balkonzimmer), sowie ein Bundesbruder im dritten Obergeschoß gartenseitig. Im großen nordseitigen Raum des zweiten Obergeschosses war die Bibliothek mit annähernd 2500 Bänden in mächtigen Bücherschränken und einem großen Arbeitstisch.
1944 wurde das Bundeshaus bei einem schweren Luftangriff auf Karlsruhe schwer beschädigt. Die Fassaden blieben zwar stehen, im Inneren brannten jedoch die oberen Geschosse aus, so daß bei einem Wiederaufbau zwischen 1946 bis etwa 1949 fogende Maßnahmen notwendig wurden: Völliger Wiederaufbau des dritten Obergeschosses mit Decken und Fußböden, umfassende Erneuerung des zweiten Obergeschosses mit neuer Treppe über dem Treppenhaus, neue Fußböden in ersten Obergeschoß. Erhalten, wenn auch schwer beschädigt, blieb die Marmorarchitektur des Treppenhauses mit den Bildern von Kanoldt, die allerdings durch Brand und Wasser sehr an Farbigkeit und Leuchtkraft eingebüßt hatten.
Der Wiederaufbau wurde erheblich teurer, als zunächst veranschlagt worden war. Nur ein Vergleichsverfahren konnte den Zusammenbruch des Hausvereins (Als Nachfolger des Bundes der Alten Herren) abwenden. Erhebliche Darlehen aus den Kreisen der Bundesbrüder, die 1963 in verzinsliche Hausanteilsscheine (2,5 %) und in Spenden umgewandelt werden konnten halfen, die schwierige Zeit zu überbrücken.
Einer Nutzung des Erdgeschosses konnte auch nach dem Wiederaufbau nicht näher getreten werden, war der PV doch auf jede Mieteinnahme angewiesen, um aus dem Vergleichsverfahren herauszukommen. So wurde 1963 das ganze Erdgeschoß langfristig an die Gesellschaft Schlaraffia Carolsuhu mit dem Einverständnis vermietet, mit erheblichen Umbauten der Räume diese wesentlich besser nutzbar zu machen.
Weiter Veränderungen erhielt das Haus 1980 zunächst durch den Umbau der Hausmeisterwohnung im dritten Obergeschoß zu weiteren drei Studentenzimmern mit zusätzlichen Bad, Küche und Aufenthaltsraum für die fünf Zimmer dieses Geschosses. 1983 räumte die Gesellschaft Schlaraffia das Erdgeschoß, dort entstanden durch Einziehen von Zwischenwänden 4 Studentenzimmer. Alle Baumaßnahmen wurden überwiegend von den Aktiven ausgeführt, wenn nicht spezielle Handwerkskenntnisse erforderlich waren. Somit ist das Haus mit Ausnahme kurzer Perioden seit 1983 erstmals vollständig durch den PV genutzt. Nebenher liefen in den letzten 25 Jahren umfangreiche Reparaturen an Fenstern und Türen, die Umstellung der Zentralheizung von Koks auf Stadtgas, Malerarbeiten, insbesondere ein aus Kostengründen leider nur einfarbiger Neuanstrich des Vestibüls und des Treppenhauses. Im Zuge einer erneuten Renovierung des Treppenhauses im Herbst 1992 kam die orginale Wandbemalung wieder zum Vorschein. Die Begutachtung durch das Landesdenkmalamt ergab, daß es sich wohl um die am Besten erhaltene Wandmalereien dieser Art in Karlsruhe handelt. So wurde das bereits begonnene Weißeln des Treppenhauses abgebrochen, um mit großem Aufwand die ursprünglichen Malereien zu restaurieren.
Rudolf Schott